Unternehmen erzielen Vorteile aufgrund von Unterschieden, nicht von Ähnlichkeiten. Das ist eine der klassischen Aussagen aus der Wettbewerbstheorie. Doch wodurch unterscheidet man sich von seinen Konkurrenten? Die Antwort ist ganz einfach: durch gutes Design. Denn Produkte gleichen sich in Technik und Funktion immer mehr an. So hat der Unternehmer die Wahl, seinen Wettbewerb entweder über den Preis oder über Gestaltung und Innovation zu führen. Die Hälfte der Unternehmen führt einen Preiswettbewerb. Mit der Folge ständig sin-kender Margen. Und für viele mittelständische Unternehmen ist es aufgrund ihrer geringen Größe schier unmöglich, diese Preiskämpfe erfolgreich auszutragen.
Dagegen setzen Unternehmen, die langfristigen, gerade auch internationalen Markterfolg erzielen wollen, immer stärker auf den Wettbewerbsfaktor Design. Und der Nutzen lässt sich belegen. Nach einer Studie des British Design Council verzeichnen solche Unternehmen, die Design in ihre Prozessabläufe integriert haben, wachsende Umsätze. Weitere Effekte sind der Gewinn von Marktanteilen, eine höhere Innovationskraft und ein verbessertes Unternehmensimage.
Ich bin mir ziemlich sicher: bei einer Befragung unter niedersächsischen kleinen und mittleren Unternehmen würden die meisten von ihnen antworten: „Ja, wir kennen den Wert guten Designs und wir wissen, dass Design für die Positionierung unseres Unternehmens unverzichtbar ist.“ Leider wird in der Praxis noch zu wenig danach gehandelt. Gerade die kleinen und mittleren Unternehmen in Niedersachsen brauchen noch mehr Information und vor allem Ermutigung, um sich auf den Erfolgsfaktor Design einzulassen.
Niemand soll glauben, Design ginge ihn nichts an. Wer ein Geschäft eröffnet und als erstes ein mit Filzstift beschriebenes Schild an die Türe hängt, betreibt schon Design. Denn er gestaltet und positioniert damit sein Unternehmen. Das geschieht oft ganz unbewusst. Gestaltung kam ursprünglich aus der Forschung und Entwicklung. Ingenieure entwickelten Formen und Funktionen im Produktdesign, die deutschen Unternehmen Weltruf einbrachten. Heute zieht sich Design durch alle Unternehmensbereiche. Gerade die Kommunikation und der Gesamtauftritt prägen Haltung und Image eines Unternehmens.
Als niedersächsischer Wirtschaftsminister setze ich mich dafür ein, den Unternehmen den bestmöglichen Rahmen für ihr wirtschaftliches Handeln hier am Standort und bei ihrer internationalen Ausrichtung zu geben. Dabei sehe ich mich und die Arbeit meines Hauses auch in der Rolle des Impulsgebers und Kommunikators. Wir wollen Zukunftsentwicklungen aufzeigen, Gesprächs- und Arbeitsplattformen bereitstellen, Kooperationen anstoßen und Leistungsanreize bieten. So ist das übergeordnete Ziel unseres Projekts niedersachsendesign, den Unternehmen die Bedeutung von Design noch stärker ins Bewusstsein zu tragen. Wir wollen Akzeptanz schaffen und motivieren, das Thema Gestaltung fest in die Unternehmensabläufe zu integrieren. Und wir möchten deutlich machen, welche Vorteile entstehen, wenn Design systematisch in die Produktions- und Dienstleistungskette einfließt. Denn wer sich heutzutage nicht nur im nationalen sondern auch im internationalen Wettbewerb behaupten will, braucht eine marktorientierte Unternehmensstrategie, eine klare Produktsprache und eine erkennbare Differenzierung gegenüber Mitbewerbern. Dieses alles leistet Design als Innovation.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern gab es in Niedersachsen zu keiner Zeit eine institutionelle Förderung von Designzentren oder ähnlichen Einrichtungen, die sich in der Regel der eher klassischen regionalen Designförderung widmen. Erfolgsnachweise für Designförderprogramme sucht man bislang meist vergeblich. Wir hingegen sind froh und stolz, mit iF design ein Unternehmen in Niedersachsen zu haben, das völlig ohne staatliche Förderung auskommt und mittlerweile zu einer der international renommiertesten Designinstitutionen gewachsen ist. So wollen wir das Projekt niedersachsendesign gemeinsam und mit Unterstützung von iF durchführen. Niedersachsen setzt sich mit dieser Projektstruktur von vergleichbaren Designförderungen anderer Bundesländer konsequent ab. Die Projektlaufzeit beträgt zunächst drei Jahre. Dann wollen wir messen, welche Effekte wir erreicht haben. Bei entsprechendem Erfolg gibt es eine Option auf Fortsetzung für weitere zwei Jahre. Danach wünsche ich mir, dass das Thema Design so fest in der niedersächsischen Wirtschaft verankert ist, dass die aufgebauten Strukturen privatwirtschaftlich weitergeführt werden.Zu Beginn haben wir unser Projekt niedersachsendesign auf drei Säulen gestellt:
1. Die systematische Kommunikation des Begriffs „Design“ sowie seiner Funktion in modernen Wirtschaftsprozessen durch die Organisation und Durchführung von Ver-anstaltungen, Ausstellungen und Wettbewerben im In- und Ausland. Hierbei wird uns ein fachkundiger Unternehmerbeirat unterstützen.
2. Die Schaffung einer eigenen Website www.niedersachsendesign.de als zentrale Kom-munikationsplattform des Projekts.
3. Mit dem neugeschaffenen Schwerpunkt „Design“ innerhalb der Beratungsrichtlinie des Landes Niedersachsen werden begleitende oder konzeptionelle Beratungen zum Design von Produkten und Dienstleistungen gefördert.
Wir haben uns ein sehr umfangreiches und gleichzeitig auch ehrgeiziges Projekt vorge-nommen, das es so in Deutschland kein zweites Mal gibt. Die sich daraus ergebenden Chancen sind riesig! Design ist ein erstrangiger Wirtschaftsfaktor für den Standort Niedersachsen. Design ist ein erstrangiger Wettbewerbsfaktor für die Unternehmen.Lassen Sie uns darum gemeinsam alles dafür tun, dieses Projekt zu einem Erfolg zu machen.